Mittwoch, 16. Juli 2008
DHL, Aero Logic, Futre Elctronic oder: Wo Dreck liegt, kommt Dreck dazu
„Eine gelungene Arbeit zieht sogleich die nächste nach sich“ – so heißt es bei Heinrich Mann. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Da, wo Dreck liegt, kommt meist schnell noch welcher hinzu. Dort, wo es laut zugeht, wird es nicht leiser, sondern lauter.
Die löbliche Ausnahme von letztgenannter Erfahrung gibt es in Brüssel, seit man dort DHL aus dem Tempel gejagt und die Nacht wieder zur Nacht gemacht hat. Zumindest in puncto Flugverkehr.
In der Region Leipzig wird hingegen demonstriert, wie Dreck zu Dreck und Lärm zu Lärm kommt: Der Flughafen Leipzig/Halle lockte DHL mit uneingeschränktem Nachtflug für die nächsten 30 Jahre aus Belgien nach Sachsen, trotz einiger juristischer Querschüsse und einer vielleicht etwas einschränkenden Entscheidung der Bundesrichter in der kommenden Woche werden die Menschen in der Region nun drei Jahrzehnte mit nächtlichem Luftverkehr leben müssen.
Wer nun glaubt, dass die Belastungen „mit der Zeit“ zurückgehen oder zumindest auf jetzigem Niveau bleiben werden, verkennt die Realität. Die DHL Hub Leipzig GmbH hat ihre geplante Größe noch nicht erreicht, der Ausbau geht bis 2012 weiter. Zusammen mit Lufthansa Cargo (die haben auch solche Rumpelfliegdinger) haben die gelben Turboproper im September 2007 die bis dato unter dem Namen Newco firmierende wilde Ehe (Neudeutsch: Joint Venture) legalisiert und die Frachtfluggesellschaft AeroLogic gegründet, die natürlich auch vom Flughafen Halle/Leipzig aus in die Luft geht.
Geplant ist, die Maschinen, die werktags für DHL fliegen, am Wochenende bei Aero Logic einzusetzen. Clever, damit können die teuren Vögel besser ausgelastet werden. Zudem vermeidet man, dass die lärmgeplagten Westsachsen am Wochenende ruhigere Zeiten erleben und womöglich auf die Idee kommen, irgendwann auch „unter der Woche“ durchschlafen zu wollen. Zu Aero Logic guckst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/AeroLogic
Und weil dort, wo Dreck Dreck und Lärm Lärm nach sich zieht, entwickelt sich der Logistikstandort Leipzig weiter. Stolz verkündet das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit heute in einer Pressemitteilung, dass das kanadische Unternehmen Future Electronic, ein Großhändler für Elektronik-Komponenten, in Leipzig bis 2010 sein europäisches Logistikzentrum bauen wird. Von Leipzig aus sollen künftig 4.200 Pakete mit allerlei Elektronikkrimskrams nach Europa und dem Nahen Osten verschickt werden. Sicher nicht per Bahn, sondern – Trommelwirbel – per Flugzeug. Natürlich brandeilig und folglich auch per Nachtflug. Nagut, den einen oder anderen Karton kann man ja den Ami-Fliegern mitgeben, die mit frischen GIs ohnehin dorthin unterwegs sind. War nicht ernst gemeint, scheint mir aber durchaus ein vernünftiger Gedanke zu sein.
DHL macht es schließlich auch irgendwie so. Zu jedem Eilbrief kommen noch ein paar Tonnen normaler Fracht, weil man ja den Transportraum ausnutzen und die Umwelt schonen will. Gutmenschen halt.

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