Donnerstag, 19. Februar 2015
Kotau beim Scheich. Oder: Stanislaw Tillich auf Wüstentour bei lupenreinen Demokraten
Die staatstragenden sächsischen Medien berichten heute jubilierend über den Besuch von Stanislaw Tillich in Abu Dhabi. Und auch der staatstragende mdr ließ sich nicht lumpen, den Besuch beim Scheich ins passende Licht zu rücken. Kein Wunder, denn die Falkenträger haben Truhen voller Geld, das sie u.a. auch in den weißgrünen Freistaat fließen ließen und wohl auch künftig lassen werden. So z.B. in die einst mit Millionenförderung gebaute und beinahe in die Pleite geratene AMD-Chipfabrik nahe Dresden, die heute unter dem Namen Global Foundries firmiert und dem Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi gehört.
Da wundert es nicht, dass der stets der Demokratie und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete sächsische Ministerpräsident beim Besuch im Wüstenländle nicht müde wird, die guten Beziehungen zwischen Sachsen und dem Emirat zu preisen und einen seiner Gesprächspartner, Kronprinz Mohammed bin Zayed al-Nahjan, als "guten Freund und Bruder" zu preisen.
Das lässt sich trotz der mir eigenen, sehr wohlwollenden Betrachtungsweise am besten mit dem Wort "Kotau" umschreiben. Vielleicht noch mit "anbiedern", um nicht zu sagen "betteln".
Und es ist trotz aller Diplomatie und wirtschaftlichen Hintergründe, die mir sehr wohl bewusst sind, eine ziemliche Peinlichkeit.
Abu Dhabi ist 1. stinkreich; 2. aber ist Abu Dhabi nicht eben ein Hort der Demokratie, sondern ein Staatswesen, dass Stanislaw Tillich nicht einmal mit der Kohlenzange anfassen würde, so es denn nicht vor Geld zu platzen drohte.
Wer sich ein wenig mehr informieren möchte, als die hiesige "Lügenpresse" es ihren Lesern zumutet, wird hier https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Arabische_Emirate#Politisches_System fündig, aber auch im sehr empfehlenswerten CIA-Factbook https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ae.html
Fazit: Dort herrscht ein politisches System, das seinen Nutznießern zwar einen hohen Wohlstand sichert, aber auf der gnadenlosen Ausbeutung der nicht-Nutznießer beruht. Die Aufzählung der am stärksten mit Arbeitsmigranten vertretenden Nationen liest sich wie die Hitliste der ärmsten Länder der Welt ... warum muss ich da an Sklavenhalter denken?
Was noch? Politische Parteien sind nicht erlaubt, eine Erbmonarchie lenkt die Geschicke der Untertanen, Homosexualität wird mit der Todesstrafe "geheilt".
Aber wenn Stanislaw Tillich von "Bruder und Freund" spricht, kann das alles ja so schlimm nicht sein ... Politik ist nunmal eine Hure ...

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