Donnerstag, 31. Mai 2012
Rosinenbomber und Nachtflugterror. Oder: LEJ ist nicht BER
Der Umgang mit einer netten jungen Dame ist schuld daran, dass ich in den vergangenen Wochen häufiger zu später Stunde unterwegs gewesen bin. Zu diesem Unterwegssein gehörte auch, dass ich gegen Mitternacht auf der Autobahn 14 den Leipziger Nordraum durchfuhr.
Wer das wachen Auges tut, sieht vor allem eines: Eine beeindruckende Lichterkette senkt sich vom Nachthimmel herab nach Leipzig.
Frachtflugzeuge sind es, die vor allem ab 23 Uhr den Flughafen Leipzig-Halle LEJ anstreben, um am dortigen Luftfrachtdrehkreuz ent- und beladen zu werden, ehe sie am frühen, sehr frühen morgen wieder in den Himmel entschwinden. Natürlich handelt es sich bei dieser Art des nächtlichen Zwischenstopps ausschließlich um hochnotpeinlichdringliche Expressfracht. Logisch, denn anderenfalls dürften ja auch nicht nachts turbogeproppt werden. Wer's glaubt ...
Als ich diese brummende Perlenkette im LEJ-Anflug zum ersten Mal wahrnahm, drängte sich mir der Vergleich zur berühmten Berliner Luftbrücke http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Luftbr%C3%BCcke auf. Doch diesen Vergleich verwarf ich schnell. Die grummelnden Rosinenbomber waren 1948/49 fast ein Jahr lang im Einsatz, um eine Stadt zu retten, indem sie sie propagandistisch effektvoll aus der Luft versorgten. Dass Berlin seinerzeit nicht von den Russen überrannt bzw. einfach mal so angeschlossen wurde, ist nicht zuletzt diesen Rosinenbombern zu verdanken.
Und in Leipzig? Was da Nacht für Nacht (außer am Wochenende oder wenn der Vulkan spuckt - gern mal wieder!) die Menschen im Leipziger Nordraum am Schlafen hindert, hat nichts mit Rettung zu tun.
Im Gegenteil, hier wird eine Stadt, die sich zur Hure macht, planmäßig kaputtgedröhnt; hier werden Grundstücksbesitzer kalt enteignet, denn der Wert ihrer Häuser und Wohnungen sackt angesichts (angehörs) des nächtlichen Gerumpels in den Keller.
Und weil ich gerade mal am Meckern bin: Ein wesentlicher Unterschied zwischen Berlin, also BER, und Leipzig, LEJ, besteht darin, dass auf dem einen Flughafen, so er denn einmal in Betrieb geht, ein Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr gilt. 23 bis 5 Uhr - da würden in Leipzig und Umgebung die Korken knallen. Aber die Berliner sind maßlos ... die fordern jetzt sogar 22 bis 6 Uhr Ruhe am Himmel. Denn in Berlin gilt nächtlicher Fluglärm als gesundheitsschädigend. In LEJ hingegen ...

PS.: Wem muss ich bei der nächsten Bundestagswahl meine Stimme geben, damit der globale Fracht- und Nachtflugirrsinn in die Schranken gewiesen wird?

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